Beitrag zum Vortrag „Hummeln im Garten“

Sascha und ich haben gestern den Vortrag des NABU Lörrach „Hummeln im Garten ansiedeln und schützen“ besucht und waren sehr glücklich über die tollen Referenten Sarah Adelmann und Hannes Meier und das gut gestaltete Programm. Wir haben vieles über die Hummeln erfahren und ich möchte hier ein paar wichtige Informationen festhalten, die helfen sollen zu verstehen, wie man Hummeln sinnvoll unterstützen kann.

Die Hummeln gehören zur Klasse der Insekten und der Ordnung der Hautflügler. In dieser Ordnung sind beispielsweise auch die Ameisen oder Wespen zu finden, was man auch am ähnlichen Körperbau gut erkennen kann. Weiter gehört die Hummel in die Familie „echte Biene“, in welcher auch die Honigbiene, oder die solitärlebenden Bienen zu finden sind.

Hummelnester
Die Lebenszyklen und das Sozialleben der Hummeln sind ebenso spannend wie komplex. Anders als bei den Honigbienen überleben die Staaten den Winter nicht und das Überleben der Gene hängt alleine an den Töchterköniginnen. Leider überleben nur ca. 10 – 20% der möglichen Königinnen den Winter. Falls dies geglückt ist, fängt diese Glückskönigin schon ab frühestens Februar an, einen neuen Staat zu gründen. Hier ist es enorm wichtig, dass die Königin für sich und die viele Arbeit die auf sie wartet genügend Futterpflanzen finden kann. Als Nester dienen unbewohnte Maushöhlen, oder sonst eine gemütliche Nische, die schon einige Bedingungen erfüllt: sie sollte über Polstermaterial verfügen und Schutz vor der Witterung bieten. Wir können den Königinnen also extrem unter die sechs Ärmchen greifen, indem wir eine Behausung mit Futter vor der Türe anbieten. Weiteres dazu in einem nächsten Beitrag.

Hummelvernichter
Neben dem Menschen und seinen selbstmörderischen Mitteln gibt es vor allem einen natürlichen Feind, der den Hummeln stark zusetzt: Es ist die Hummelnestmotte (Wachsmotte, Aphomia soziella). Deren Larven fressen die Hummelbrut und können ein ganzes Volk zerstören. Damit die graubraune Motte die Eier nicht in das Nest legen kann, gibt es für Hummelnistkästen eine einfache Türklappe, welche eingesetzt werden kann. Daneben gibt es auch noch die Kuckuckshummel, welche in den Staat eindringt, die Königin tötet und sich selbst an die Spitze setzt. Da keine Nachwuchsarbeiterinnen mehr erzeugt werden, stirbt auch dieser Staat aus ohne die wichtigen Tochterköniginnen produzieren zu können.

Massentierhaltung
Nochmals zum Problem Nummer eins: den Menschen. Wir wurden am Vortrag über eine grausame Praxis informiert, welche die Perversion des Menschen einmal mehr veranschaulicht. Da die Hummel zur Bestäubung unersetzlich ist, gibt es die Praxis für grosse Gewächshäuser Hummeln zu züchten. Um den Futterpollen für die Millionen von armen Geschöpfen erhalten zu können, werden noch viel mehr Bienenvölker „geschröpft“. Es geht wie immer ums Geld und ich denke, jeder kann sich vorstellen, wie Profitgier hier jeglichen ethischen Umgang mit den Tieren als Nebensache degradiert. Die zur Bestäubung eingesetzten Völker werden laut Empfehlung des Herstellers nach der Arbeit getötet und das ist leider immer noch die bessere Variante als sie in die Natur zu entlassen: diese aus Massenzuchten stammenden Hummeln sind mit Krankheiten belastet und verdrängen auf der ganzen Welt die regionalen Hummelarten. Ein Trauerspiel.

Lebensfreude mit Pelz
Hummeln im Garten zu fördern, heisst, einem faszinierenden Wesen die Überlebenschance zu sichern und dabei sicher zu stellen, dass sie unermüdlich ihrer wertvollen Arbeit nachgehen können. Es reicht im übrigen auch bereits ein Balkon, ein Nistkasten und einige hübsche Futterpflanzen!

In einem weiteren Bericht werde ich konkreter auf Hilfsmassnahmen eingehen.
In den Infoboxen unten schon einmal ein paar nützliche Links.

Warum ist die Hummel so wichtig?

Es gibt einige Punkte, welche die Hummel für die Natur und dadurch auch für uns Menschen so wichtig macht:

  • Die Hummel leistet unersetzliche Bestäubungsdienste
  • Die Hummel fliegt bereits ab März, je nach Region schon ab Februar
  • Die Hummel kann bereits ab einer Temperatur von 6 °C ihre Arbeit aufnehmen (Die Honigbiene fliegt erst ab 12 °C)
  • Die Hummel ist blütentreu und blütenstetig, das heisst, sie sammelt Nektar und Pollen bei einem Pflanzentyp (z.B. Apfelbaum) und wechselt dabei nicht willkürlich die Pflanze. Dies ermöglicht, dass die benötigten Pollen (Apfelpollen zu einem anderen Apfelbaum) zur Bestäubung weitergereicht werden.
  • Hummeln haben zum Teil sehr lange Rüssel (es gibt kurz- und langrüsselige Arten), welche für lange Pflanzenkelche zur Bestäubung unabdingbar sind
  • Durch ihr Gewicht sind gewisse Verschlussblüten (z.B. Vom Löwenmäulchen) nur durch die Hummeln zu „öffnen“
  • Gewisse Blüten benötigen einen Vibrationsimpuls, damit der Pollen herausgeschüttelt werden kann. Diese Vibrationsbestäubung wird durch die Hummeln bewerkstelligt, die dafür die Flugmuskulatur nutzen können, ohne dabei mit den Flügeln zu schlagen. Am Vortrag haben wir erfahren, dass die Hummeln die Früchte (darunter vor allem die Nachtschattengewächse oder die Heidelbeeren) gleichmässiger befruchten und die Früchte nachweislich gesünder sind, als wenn sie künstlich vom Menschen bestäubt worden wären!
  • Eine weitere erstaunliche Begebenheit: Für unsere Kulturen wichtige Schmetterlingsblütler wie Rotklee und Luzerne können nur durch die langrüsseligen Hummeln bestäubt werden. Viele weitere Arten sind ebenso auf die Hummeln angewiesen und so lebt die Wiesenvielfalt in Abhängigkeit von den geschickten und gut ausgerüsteten Hummeln. Dabei übernehmen die Hummeln neben der Bestäubung auch noch die Verbreitung eines bestimmten Hefepilzes, der die Verdauung der Pflanzen für unsere Weidetiere ermöglicht. Die sogenannte Kreuzhefe ermöglicht den Paarhufern bei der Verdauung den Aufbau des Futtereiweisses. Ist das nicht verrückt?
  • Vortrag NABU vom Samstag, 13. Januar 2018, Lörrach-Tüllingen

Internet:

Print:

  • Broschüre Hummeln. Unersetzliche Helfer, Stiftung Landesbank Baden-Württemberg

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