Unsere Kreuzspinne Cornelia

In jedem Jahr siedelt sich im Frühling oder Sommer an unserem Küchenfenster eine Kreuzspinne an. Sie webt ihr Netz vom einen Rahmenende des Fensters zum anderen und fängt darin Fliegen, Stechmücken und Fruchtfliegen ein, welche sich in der Küche verirrt haben. Wir nennen die Kreuspinnenladies jeweils Cornelia.

Leider ist die letztjährige Cornelia Anfang Februar verstorben. Wir fragten uns also, wie lange die diesjährige Cornelia leben wird. Wir pflegen sie, indem wir sie regelmässig mit einem Wasserzerstäuber ein wenig benetzen und ihr tote Fliegen in das Netz werfen. Mitte Dezember hat Cornelia jedoch den Netzbau eingestellt und sich am oberen Rand des Fensters zurückgezogen. Nun wollen wir etwas über das Leben der Kreuzspinnen erfahren, denn es steht die Frage im Raum: Wie überleben die Kreuzspinnen draussen den Winter und was sind die Lebenszyklen?

Die Kreuzspinne als „zweijährige Pflanzen“
Im August werben die männlichen Kreuzspinnen um das Weibchen, in dem sie einen Werbungsfaden an das Netz des Weibchens heften. Am Zupfen des Männchens erkennt das Weibchen, dass es sich um einen Werber handelt und wenn sie paarungsbereit ist, paart sie sich mit dem Männchen, oder frisst es allenfalls auf. Ich kann mich erinnern, dass im Sommer einmal ein Männchen (es ist kleiner und schmaler) auf Besuch kam, aber es ist ziemlich schnell verschwunden. Wohin weiss ich nicht, aber ich denke, es endete als Beute. Der Arme! Im Herbst legt das Weibchen Eier, welche überwintern. Im Frühling schlüpfen die kleinen Spinnen und überwintern erneut, bevor sie im darauffolgenden Jahr geschlechtsreif werden.

Giftig?
Der Biss unserer heimischen Gartenkreuzspinne ist nicht gefährlich, kann aber schmerzhaft sein. Mein Grossvater erlitt einen Biss einer Kreuzspinne, welche ihm bei der Gartenarbeit ins Hemd gefallen ist. Es war nicht tragisch, da ich aber eine Spinnenphobie habe ist die Vorstellung nicht ganz angenehm. Zur bevorzugten Beute zählen alle Arten von Insekten, welche sich im Netz verfangen und danach mit einem Biss gelähmt, mit einem Faden als Puppe verpackt und anschliessend mit einem Verdauungssekret für das Aussaugen präpariert werden. Keine schöne Sache, aber zum Zuschauen ist es immer wieder spannend: die Spinne agiert im eigenen Netz so geschickt und vollführt beim Einpuppen der Beute ein kleines Tänzchen.

Das Netz
Was die Kreuzspinne klar der Ordnung Webspinnen (Araneae) und der Familie Radnetzspinnen (Araneidae) angliedert ist ihr wunderschönes, rundes Fangnetz. Wenn ich mitten in der Nacht in die Küche gehe und Cornelia spinnt ihr Netz neu, dann ist das ein wirklich sehenswertes Ereignis! Woher weiss sie, was zu tun ist? Dabei kann die Spinne mit ihren Spinndrüsen unterschiedliche Fäden herstellen: zum Beispiel ganz feine für die Eierkokons der Kinder, aber auch ganz stabile für das Netz und natürlich die feineren, klebrigen Fäden, an welcher die Beute haften bleiben soll.

Der Netzbau ist ganz durchstrukturiert und beginnt in der Natur meist mit einem Brückenfaden, der mit Hilfe des Windes an einer geeignete Stelle andockt. Ausgehend von diesem horizontal angelegten Faden, erfolgt ein Senkrechter, der dem so entstandenen Grundmuster die Form eines „Y“ gibt. Vom Zentrum dieses „Y“ wird nach dem Grundbau der Speichen und Rahmen nun zuerst eine Hilfsspirale aufgebaut und danach folgt der Aufbau der Fangspirale, welche gleichzeitig den Abbau der Hilfsspirale beinhaltet. Für den Netzbau benötigt die Spinne ca. 20 Meter Faden.

Was für eine faszinierende Leistung und was für ein besonderes Wesen!

PS: Seit gestern ist Cornelia spurlos verschwunden. Nach acht Monaten hat sie uns still und heimlich verlassen.

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