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Stoffmarkt Holland

Stoffmarkt Holland

10.3.18, Weil am Rhein – ein kleiner Erfahrungsbericht

Am Samstag haben Sascha und ich den Stoffmarkt Holland besucht: einen Einstieg in eine neue Welt für eine Nähbeginnerin wie mich und deren Begleiter! Das Wetter war echt schlimm – Regen, Regen, Regen. Aber das war wohl nicht so verkehrt, denn auch mit dem miesen Wetter war der Besucherandrang enorm. Die Stände waren rammel voll mit kaufwilligen Nähwütigen und die Stimmung fröhlich und fokussiert.

Natürlich hat mich besonders interessiert, ob auch Stoffhändler*innen mit nachhaltig produzierten Stoffen zu finden sind…und mit etwas Geduld erzielten wir auch ein grosses Erfolgserlebnis von dem ich gerne berichten möchte. Es dauerte eine gute halbe Stunde bis wir in der dritten Marktstandreihe freudig ein GOTS-Label in Augenschein nehmen konnten. Bis dahin haben sich die Stände vor allem durch extrem günstige Stoffpreise (einen Meter Jersey-Stoff für 15 Euro) ausgezeichnet. Aber auch durch lustige Stoffmuster, unterschiedliche Stile und viele tolle Nähideen in Form von selbstgeschneiderten Kleidern, die von den Marktstanddächern hingen. Der ersehnte Stand präsentierte sich dann als wahre Schatzkammer der Kostbarkeiten: Pumuckl. Der Stand war sehr gross und deckte aus meiner Sicht alle Stoffarten ab, die man sich als Kleidernäherin wünscht. Vom Alpenfleece bis zum Walk war alles da. Leider sind es nicht durchgehend GOTS-zertifizierte Stoffe, welche Pumuckl anbietet. Aber der Markthändler war über jedes Stöffchen bestens informiert und konnte mich zielsicher durch alle Stoffberge lotsen. Toll, wenn der Händler einem zum Stoff auch gleich noch das farblich perfekt passende Bündchen empfiehlt. Ich habe mein Geburtstagsgeld an diesem Stand zur Hälfte investiert. Das weitere Viertel ging an einen Stand mit Kurzwaren: ein Meer aus Knöpfen, Reissverschlüssen, Garn, Nadeln, Klammern …unglaublich, was es alles gibt! Man konnte den meisten Schnickschnack in kleinen Gripptütchen abgepackt gleich vom Ständer rupfen und mit den gesammelten Habseligkeiten bei der netten holländischen Dame bezahlen. Mein letztes Viertel des Budgets ging dann bei einem anderen holländischen Landsmann flöten: ich habe mir ein Schneideroller und eine Schneidunterlage gekauft. Was für eine gute Investition.

Am Stand von Rotkählchen (ein Stoffladen in meiner Nähe), durfte ich meinen ersten realen Blick auf eine moderne Bernina-Nähmaschine der neusten Generation werfen: sie war gerade dabei den Stoff mit einem Zierstich der Extraklasse zu verzieren. Ganz von alleine. Seither träume ich mit Augenzwinkern von einem Sponsoren, der meine zukünftige Nähtätigkeit gebührend materiell unterstützt.

Unser Fazit

  • Der Stoffmarkt ist eine lustige Sehenswürdigkeit (Daten und Stationen 2018)
  • Es gibt leider sehr wenige Händler*innen mit GOTS-zertifizierten Stoffen (entdeckt haben wir einen, eventuell gibt es noch einen zweiten)
  • Die meisten Händler*innen verkaufen ihre Ware günstig
  • Für den Einkauf von Werkzeug und Kurzwaren lohnt sich der Besuch und die Preise sind gut
  • Gerne im nächsten Jahr wieder!
  • Pumuckl gibt es auch online. Leider ist nicht auf einen Klick eine Übersicht über die GOTS-Stoffe möglich.
  • Rotkählchen gibt es auch online. Es ist ein süsser kleiner Stoffladen in meiner Nähe, der jedoch auch nur ein beschränktes GOTS-Sortiment führt. Dafür ist die Webseite sehr angenehm, denn man kann nach „Bio-Stoffen“ filtern.

Selber Kleider nähen?

Selber Kleider nähen?

Ich war nie gut in textilem Werken und ich zeigte bisher auch kein grosses Interesse darin. Es sind also nicht optimale Bedingungen, mit denen ich in meine neue Idee eingetaucht bin: um so grösser – das ist klar – muss also eine bestimmte Motivation sein, es zu tun.

Die Krux beim Kleider kaufen

Kleider sind für mich ein nötiges Übel, auch wenn es mir nicht komplett gleichgültig ist, wie ich in meinen Klamotten aussehe: ich möchte zufrieden sein, wenn ich in den Spiegel schaue.
Dennoch ist es für mich in der heutigen Zeit kaum mehr möglich konventionell produzierte Kleider zu kaufen: das Leid für Menschen und die Umweltbelastung sind untragbar. Wer sich nur am Rande mit dem Thema beschäftigt, sollte dem Verstand und Herzen folgen und vom Konsumwahn absehen. Dazu folgende Links:

  • Der Trailer eines interessanten Dokumentarfilms „The true cost“.
  • Dieser TEDx Talk von 2016 von Clara Vuletich.

Weg vom Kleiderkonsum

  • Die eigenen Kleider so lange es geht tragen und flicken (lassen)
  • Kleider in Geschäften kaufen, die Biolabels führen
  • Kleider online kaufen und dabei auf Biolabels achten
  • Kleider in Secondhandgeschäften kaufen
  • Kleider online secondhand erstehen
  • Kleider von Freundinnen und Freunden „fertig“ tragen

Nach unbefriedigenden Versuchen in Kleidergeschäften mit Biolabeln (ich shoppe nicht gerne), habe ich mich in den letzten Jahren damit durchgeschlagen, die Kleider meiner Kolleginnen zu erben. An dieser Stelle: meinen grössten Dank an alle Spenderinnen – was würde ich ohne Katrin, Sandrine und mein Mami tun? 🙂 Da ich zum Glück sehr klein bin, kann ich fast alles irgendwie tragen und meine eigenen Kleider über Jahrzehnte behalten. Secondhandklamotten haben das Fehlende ergänzt (vor allem Jacken und Schuhe).

Kleidung neu gedacht
Was mich nun plötzlich und stark dazu motiviert selber Kleider zu nähen, ist die Erkenntnis, dass ich eigentlich nur wenige Basicteile benötige. Bei der Arbeit und privat trage ich die selben Kleider und neben den Schlafklamotten trage ich nur für die Gartenarbeit spezielle, ausgediente Stücke. Für ungefähr 5 Anlässe im Jahr habe ich etwas schönere Kleider, diese kann ich aber an zwei Händen abzählen. Eigentlich eine sehr überschaubare Menge an Kleidungsstücken! Und ganz ehrlich: am liebsten trage ich sowieso nur die Lieblingsstücke, die gut sitzen. Wenn die Basicstücke gut miteinander kombinierbar sind, erreicht man trotz wenigen Teilen eine ansehnliche Palette an Stylings, die einem bestimmt glücklicher macht, als ein Schrank voller Kleider, die man sowieso nicht gerne trägt. Qualität vor Quantität!

Selber Kleider nähen? 2

Der Schneiderplan

Die Idee war somit geboren: Basicteile selber nähen, das könnte vielleicht sogar mir als Schneiderneuling gelingen. Sobald die passenden Schnitte gefunden und eingeübt sind, kann ich ausgediente Teile endlich wieder ausmisten und mit neuen Basics ersetzen. Die Vorteile des Selbernähens sind sehr verlockend!

Basics selber herstellen
Meine Basics setzen sich folgendermassen zusammen:

  • Unterwäsche (Unterhose, BH, Socken)
  • Unterhemd
  • Leggings
  • langärmeliges, oder kurzärmeliges Shirt
  • Minirock
  • Kleid mit langen Ärmeln

Das Ganze wird ergänzt durch: dicker Pulli, Jeanshose, Schuhe, Jacke, Schal, Kappe, Handschuhe und im Sommer durch ein luftiges Kleid. Habe ich was vergessen?

Vorteile vom Selbernähen

  • Beste Biostoffe verarbeiten
  • Farbe und Muster der Stoffe selber wählen können
  • Die Schnitte meiner Grösse und Figur optimal anpassen
  • Die Basics so zusammenstellen, dass sie sich möglichst gut kombinieren lassen (Farben und Schnitte)

Stoff ist nicht gleich Stoff

Wie bei den Lebensmitteln gibt es auch bei den Stoffen eine grosse Palette an Labels und Qualitäten. Hier eine kurze Übersicht für den Einstieg, wenn man sich für giftfreie und nachhaltig produzierte Stoffe interessiert:

Favoriten

  • IVN Best
  • Global Organic Textile Standard (GOTS) -Stoffe
  • Kontrolliert biologischer Anbau (kbA)
  • Kontrolliert biologische Tierhaltung (kbT)

Unzureichend

  • Oeko-Tex Standard 100

Laut Greenpeace (Detox-Kampagnie 2016) ist folgendes Label das strengste: IVN Best. Aufgrund der konsequenten Umsetzung nur 100 % biologisch erzeugte Materialien zu verarbeiten, sind gewisse Textilien (Regenerat- oder Synthetikfasern) unter diesem Label nicht produzierbar. Die Produkte sind vor allem bei spezifischen Händlern zu erstehen.

Bekannt und international aktiv: das GOTS-Label. Man trifft es – zum Glück – häufig an und es verbindet Ansprüche an die Umweltverträglichkeit, wie auch die sozialen Standards.

Selber Kleider nähen? 3IVN Best
Information des Labels selbst:
Mit „NATURTEXTIL zertifiziert BEST“, „GOTS“ und „NATURLEDER zertifiziert“ werden nur Produkte gekennzeichnet, die nach strengen Richtlinien produziert und kontrolliert wurden und das gilt für den gesamten Herstellungsprozess. Angefangen bei der Rohstofferzeugung, über das Spinnen, Weben und Nähen bis hin zu Färbung und Ausrüstung von Textilien bzw. bei Lederwaren deren Gerbung und Aufbereitung sind alle Schritte eingeschlossen.
Wer sich dafür entschieden hat, gesundheitsbewusst zu leben, wer Gewässer, Luft und Boden schützen will, wem es wichtig ist, dass Menschen auf der ganzen Welt unter gerechten Bedingungen arbeiten und dass Tiere artgerecht gehalten werden — wer Qualität dem Massenkonsum vorzieht, der liegt mit dem Kauf dieser Produkte genau richtig.

www.naturtextil.com

Selber Kleider nähen? 4Global Organic Textile Standard (GOTS) -Stoffe
Kurzinfo des Label selbst:
Der Global Organic Textile Standard (GOTS) wurde von international führenden Standardorganisationen entwickelt. So wurden weltweit anerkannte Richtlinien geschaffen, die eine nachhaltige Herstellung von Textilien gewährleisten, angefangen von der Gewinnung der biologisch erzeugten Rohstoffe über eine umwelt- und sozialverantwortliche Fertigung bis hin zur transparenten Kennzeichnung und damit dem Verbraucher eine glaubwürdige Qualitätssicherheit bieten.

Kurzfilm über das Label GOTS
Ausführlicherer Bericht zum GOTS-Label.

Selber Kleider nähen? 5Kontrolliert biologischer Anbau (kbA)
Kurzinfo des Onlineshops Siebenblau.de:
Kontrolliert biologischer Anbau (kbA) erfolgt gemäß den Richtlinien für ökologischen Landbau. Der Einsatz von chemischen Pestiziden (Insektiziden, Herbiziden etc.), Dünge- und Entlaubungsmitteln sowie von gentechnisch-verändertem Saatgut ist verboten. Ein einheitliches Siegel existiert bisher leider nicht. Der Begriff bio ist gesetzlich geschützt und die Übereinstimmung mit den Richtlinien wird von unabhängigen Kontrolleuren überprüft.

Kontrolliert biologische Tierhaltung (kbT)
Kurzinfo des Onlineshops Siebenblau.de:
Kontrolliert biologische Tierhaltung (kbT) erfolgt gemäß den Richtlinien für ökologischen Landbau. Artgerechte Tierhaltung im Einklang mit der Natur ist nach den Richtlinien für ökologischen Landbau gesetzlich verpflichtend. Die Verfütterung von gentechnisch-veränderten Pflanzen ist verboten. Ein einheitliches Siegel existiert bisher leider nicht. Der Begriff bio ist gesetzlich geschützt und die Übereinstimmung mit den Richtlinien wird von unabhängigen Kontrolleuren überprüft.

Selber Kleider nähen? 6Oeko-Tex Standard 100
Kurzinfo Broschüre Greenpeace:
Dieser am weitesten verbreitete Standard ist ein reines Verbraucherschutzsiegel: Es prüft lediglich die Schadstoffrückstände am Endprodukt. Die Herstellungsbedingungen untersucht Oeko-Tex 100 nicht. Auch ist der Standard mit seinen vier verschiedenen Klassen je nach Hautkontakt unterschiedlich streng bei den Chemikalienmengen. Damit ist der Nutzen für die Umwelt eher gering, das Siegel ist jedoch sehr massentauglich.

www.oeko-tex.com

 

Selber Kleider nähen? 7Oeko-Tex „Made in Green“
Kurzinfo Broschüre Greenpeace:
„Made in Green“ ist ein umfassender Nachhaltigkeits-Standard der Oeko-Tex-Familie, der die gesamte textile Kette regelt. Textilien mit diesem Label sind schadstoffgeprüft und in einem umweltfreundlichen und sozialverträglichen Betrieb hergestellt. Die Schadstoffgrenzen in den Textilien entsprechen dem OekoTex Standard 100, die Anforderungen an die Produktionsbetriebe sind gemäß den Kriterien des STeP („Sustainable Textile Production“) by Oeko-Tex vorgegeben. Diese erstrecken sich auf sechs Bereiche: Chemikalienmanagement (konform mit den Anforderungen der Industrie-Initiative „Zero Discharge of Hazar – Made in Green dous Chemicals“), Umweltleistung, Arbeitssicherheit, soziale Verantwortung, Umweltmanagement sowie Qualitätsmanagement. STeP ersetzt die vorherige Zertifizierung nach Oeko-Tex Standard 1000, die nicht mehr weiterverfolgt wird.

Es gibt noch viele weitere Labels in kleineren Formaten und mit anderen Denkanstösse (zum Beispiel FAIRTRADE Certified Cotton). Es gilt, kritisch zu bleiben und sich auf vertrauenswürdigem Weg über die Richtlinien zu erkundigen. Vielleicht findet ihr einen Händler eures Vertrauens, der euch die Arbeit abnimmt und beispielsweise nur GOTS-zertifizierte Stoffe führt? Je mehr die Nachfrage nach ökologisch und sozial produzierten Textilien steigt, desto besser.

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