Schattenbeete unter Bäumen

Bedingungen unter den Bäumen

Im Sommer bieten die wunderschönen, alten Bäume, welche an unseren Garten grenzen angenehmen Schatten. Eine farnblättrige Buche und ein Feldahorn drängen sich viel zu eng aneinander. Daneben steht ein Weissdorn mit einer unglaublich stattlichen Höhe von ca. 9 Metern. Das rascheln der Blätter im Wind und wie sie das ganze Jahr Lebensgrundlage vieler Vögel sind – einfach unersetzlich.
Jedoch bereitet die Bepflanzung unter den Bäumen einige Mühen. Man ist in der Auswahl der Stauden und Sträucher eingeschränkter, als an anderen anspruchsvollen Orten:

  1. Es gibt nur wenig Sonnenlicht – kaum einmal direkte Sonne
  2. Es ist trocken, da das dichte Blätterdach den Regen abhält
  3. Die Konkurrenz im Erdreich ist beträchtlich: die Bäume breiten sich je nach Art mit einem dichten Wurzelwerk im Boden aus. Somit ist neben der Feuchtigkeit auch der Nährstoffgehalt knapp.

Was wächst da überhaupt?
Bisher wuchsen im Frühling unter den Bäumen  Pflanzen, welche sich üblicherweise auch am Waldrand finden. Allen voran der Bärlauch, der sich – durch die schwierigen Bedingungen für andere Pflanzen – ohne Konkurrenz viel zu dicht ausbreiten konnte. Einige Buschwindröschen und einige Wildstauden, wie zum  Beispiel das Nelkenwurz, komplettierten die nicht sehr abwechslungsreiche Sammlung.

Erste Versuche in Weiss
Vor zwei Jahren errichtete ich mit Saschas Hilfe einen knöchelhohen Weidezaun und setzte in das entstandene Beet einige Pflanzen ein: ein Busch, welcher für den Garten meiner Eltern zu gross gewachsen war fand prominent Asyl. Ich setzte Stauden, wie zum Beispiel Herbstanemone, Astilben, Christrosen und Zwiebeln von weissen Narzissen und Tulpen. Ebenso setzte ich eine weisse, einmal blühende Rambler-Rose. An den aller sonnigsten Platz setzte ich eine weisse Pfingstrose. Leider schienen auch die Pflanzen, welchen ich ein extra grosses Pflanzloch gegraben hatte und mit guter Erde verwöhnt nach einem Jahr zu darben. Ich musste mich entscheiden: Beet abräumen und den spärlichen Wuchs unter dem Baum ertragen, oder nochmals der Sache auf den Grund gehen. Ich entschied mich nach langem Überlegen: ein neues Experimentierfeld zu eröffnen.

Nun geniessen wir das Beet bis die ersten Blätter es bedecken. Wir sind gespannt auf die Entwicklungen in den kommenden Jahren.
Schattenbeete unter Bäumen 1
Das einzige was im Frühling durch den dicken Bärlauchbewuchs durchstösst sind die Tulpen und die tapfere Bergenie.

Eine Entdeckungstour ins Erdreich

So gruben wir alle noch lebenden Stauden aus und untersuchten, was ihnen das Leben schwer machte. Bald wurde mir eines klar: dort wo ich mit kompostversetzter Erde und Hornspänen das Pflanzloch aufgebessert hatte, war ein dichter Wurzelpelz zu finden. Die Bäume hatten die nährstoffreiche Erde als Buffet schnell erobert. Unglaublich und faszinierend, wie sich die feinen Baumwurzeln in nur zwei Jahren durch die Erde geschoben hatten! Die Wurzeln der Stauden selbst konnten sich nicht entwickeln, waren richtiggehend im Würgegriff des Wurzelgeflechts gefangen. Irgendwie ein brutaler Anblick und mir wurde klar, was mit der Beschreibung „Wurzelkonkurrenz“ gemeint sein könnte.

Folgende Parameter waren zu ändern:
1. Die Wurzeln der Stauden sollen vor den Wurzeln der Bäume durch eine Barriere geschützt werden.
2. Es soll sich mehr Feuchtigkeit im Boden erhalten.
3. Die Erde muss fruchtbarer sein, so dass  gerade bei wenig Sonnenlicht die Versorgung durch Nährstoffe gegeben ist.

Ein Plan muss her
Nach einigen Tagen des Grübelns hatte ich mich für die Umsetzung einer Idee entschieden:

  1. Mit einem Gewebe eine Wurzelsperre erstellen.
  2. Mit Hilfe des Gewebes die Feuchtigkeit besser im Boden halten, ohne Staunässe zu generieren.
  3. Die Erde  mit einem Sieb vom Wurzelfilz und den hunderten Bärlauchzwiebeln reinigen.
  4. Die Erde auflockern und mit guter Erde durchmischen.

Als Gewebe verwendete ich alte Duschvorhänge, welche nicht plastifiziert sind, sondern das Wasser durchlassen. Natürlich hoffe ich, dass die Duschvorhänge nicht irgendwelche Substanzen an den Boden abgeben. Es handelt sich aber um wirklich alte Duschvorhänge, welche schon einige male gewaschen wurden.

Zur Umsetzung der Idee
Wir benötigten für die Umsetzung ungefähr 6 Stunden, da das einbringen der ca. 40 cm tiefen Gruben ein Kraftakt war: die feinen Wurzeln und die extrem trockene Erde machen das Graben beschwerlich. Wir haben Rücksicht auf grosse Wurzeln des Baumes genommen, denn schliesslich lässt sich so ein Vlies sehr gut an eine unregelmässig Untergrund anpassen. Hier eine Bildabfolge mit Kommentaren.

Pflanzplan

Für die Bepflanzung habe ich Pflanzen bevorzugt, welche an einen halbschattigen oder schattigen Standort gewöhnt sind. Wieder sollen helle Pflanzenblüten und attraktive Blattstrukturen die Attraktivität ausmachen.

Schattenbeete unter Bäumen 2

1 Funkie ‚Orange Marmalade‘, hosta x cultorum ‚Orange Marmalade‘
2 Bauernhortensie mit weissen Blüten
3 Zwerg-Pampagras, cortaderia selloana „Evita“
4 Federborstengras
5 Bergenie
6 Wurmfarn
7 Japananemone, anemona japonica
8 Erika – Glockenheide, erica gracilis
9 Heuchera ‚Amber Lady
10 Akelei
11 Purpurglöckchen, heuchera micrantha
12 Felberich „Autumn Snow“, lysimachia
13 Helleborus x hybridus „SP Lily“ (aus der Serie Helleborus Gold Collection)

14 Heuchera
15 Mahagoni Günsel
16 Heuchera „Silver Scrolls“
17 Lampenputzergras „Hameln“, pennisetum alopec.
18 Heuchera „Forever Purple“
19 Heuchera
20 Astilbe (Produzent: Hans van der Meer)
21 Kerzenknöterich
22 Rambling Rector (Quelle: Landhaus Ettenbühl)
23 Hanfpalme
24 Fasanenspiere
25 Pfingstrose, paeonia lactiflora
An diversen Standorten:
– Traubenhyazinthe, muscari botrytoides Album
– Anemone de Caen „The Bride“

Schlusswort

Ich finde es  grundsätzlich nicht sinnvoll künstlich Bedingungen zu schaffen, nur damit man überall seine Wunschbepflanzung umsetzen kann. Gerade die unterschiedlichen Ökosysteme generieren ja die Vielfalt in der Natur und machen jeden Garten einzigartig. Dennoch ist es für mich ein spannendes Experiment zu schauen, ob mit dem geringfügigen Eingriff des Vlieses eine Bepflanzung mit einem grösseren Pflanzenspektrum an einem sehr unwirtlichen Ort möglich ist. Ich bin gespannt auf die Entwicklung und freue mich schon jetzt auf den Frühling. Ans Scheitern ist man ja zum Glück als Gärtner schon ziemlich gewöhnt 😉

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