Permakulturgarten Jardin d’Alôsnys

Bei unserem zweitägigen Aufenthalt in der Ortschaft Saint-Mont-Jean stand ein Besuch des Gartens Alôsnys ganz oben auf der Wunschliste. Da Sascha und ich noch nie ein Permakulturprojekt besuchen konnten, sind wir mit grossen Erwartungen um die Mittagszeit in Richtung Autun aufgebrochen.

Permakultur ist ein Weltbild, bei dem alle Bereiche des Lebens und der Natur miteinbezogen werden. Alles soll in einem gesunden Kreislauf miteinander verbunden sein. Somit gibt es eine grosse Vielzahl von Ausrichtungen und Theorien zu diesem komplexen Thema. Doch wie sieht so etwas in der Realität aus?

Bei unserer Ankunft auf dem Parkplatz konnten wir uns gleich davon überzeugen: Permakultur kann sehr schön aussehen. Wir bewegten uns frei in den liebevoll aufgebauten Gewächshäusern, betraten den Vortragsraum in Form einer Jurte, bestaunten die wunderschönen Hühner und Hasen und sahen uns neben der Pflanzenaufzucht auch verschiedene Insekten-Nisthilfen an.

Nachdem wir uns mit dem Ort auf eigene Faust ein wenig vertraut gemacht hatten, nahmen wir an einem geführten Rundgang teil, bei welchem wir die einzigen Besucher waren. Deshalb absolvierte unser Begleiter die Führung auf Englisch, was eine wunderbare Geste war, da unser Französisch etwas eingerostet ist. Er erklärte uns neben vielen Tipps zum Garten auch, was seine Aufgabe und das Leben in der Gemeinschaft im Jardin Alôsnys bedeutet.

Mehr als Gemüse und Früchte

Der Garten und seine Ernte sind das Herzstück des Jardin Alôsnys, aber er ist vor allem auch ein Zuhause für eine kleine Gemeinschaft und viele pädagogische Angebote. Neben dem Hauptgarten befindet sich ein grosser Bereich für Kinder, welche jeder Zeit in den Garten kommen können, um die Natur, die Tiere und das Gemüsegärtnern zu erleben. In einer ausgefallen gestalteten Spirale, welche das Haus einer Schnecke darstellt, kann man Barfuss unterschiedlichste Bodenbeläge testen. Zur Pflege des Rasens werden sogenannte „Hasentraktoren“ eingesetzt: Kleine Hasengehege, welche man leicht verschieben kann, damit von den Hasen stets frisches Grün geweidet wird.

Haustiere

Neben den Hasen und Hühner beherbergt die Gemeinschaft auch Kühe, Esel, Ziegen, Schafe, Meerschweinchen, Tauben, Katzen und ganz wichtig: Laufenten. Diese helfen die Schnecken im Garten auf einem stabilen, tiefen Niveau zu halten. Die Enten dürfen deshalb im Winter frei im Garten nach Kriechendem jagen und im Sommer nur halbstundenweise. Denn nach einer halben Stunde Freilauf im Gemüsegarten, schwenkt die Aufmerksamkeit der Enten plötzlich weg vom Fleisch, hin zu dem zarten Gemüsegenuss.

Noch mehr Wissen

Neben den Kinderangeboten gibt es auch viele Weiterbildungsmöglichkeiten für Erwachsene. Vorträge und Seminare zum Permakulturgarten, aber auch über die Verwendung von Heilpflanzen, oder der Herstellung von Käse gibt es Workshops.

Und so lernten wir bei unserem Rundgang im Garten vieles kennen, was für den Anbau des Gemüses und der Früchte in der Permakultur wichtig ist. Unser Begleiter erklärte uns zum Beispiel, dass das Zentrum des Gartens in Form eines Mandalas angelegt ist, nicht nur, um eine gute Energie zu erzeugen, sondern beispielsweise auch, da die Pflanzen auf der Südseite früher Früchte tragen, als diejenigen auf der Nordseite. Durch das versetzte Einsetzen der Blüte können zum Beispiel Totalausfälle durch Frostschäden vermieden werden, oder aber es verlängert auch die Blüh- und Fruchtphase beispielsweise der Johannisbeeren. Im Zentrum des Mandalas befindet sich ein kleiner Runder Fischweiher, welcher mit geeigneten Pflanzen dafür sorgt, dass das eingeleitete Wasser gereinigt wird und dank des Kots der Fische im Wasser beim Giessen für die Pflanzen auch eine Düngewirkung aufweist. Ansonsten sorgt vor allem der Kuhmist und das Verwerten von Pflanzenmaterialien für genügend Nährstoffe im Boden. Der Boden, worauf der Garten angelegt wurde, war bei der Übernahme verdichtet, trocken und Nährstoffarm. Durch das Versorgen mit organischem Material und das Aufschichten von Hügelbeeten, sowie durch das stetige Mulchen mit Stroh, hat sich mit den Jahren ein guter Boden eingestellt, der Jahr für Jahr bessere Eigenschaften für die Gemüsekultur aufweist. Der Boden der Hügelbeete ist spürbar locker, riecht angenehm humos und weist eine tolle Wasserspeicherfähigkeit auf. Es war uns schnell klar: hier sind Profis am Werk. Das Ziel den Boden lebendig und voller Mykorrhizapilze zu haben, ist zum grössten Teil bereits erreicht. Unser Begleiter wies uns auch immer wieder auf die Wichtigkeit der Bestäuberinsekten hin: denn was nützt die schönste Pflanze, wenn die Blüten nicht befruchtet werden? Mit Lavendel, Borretsch, Beinwell und Bienenweide locken sie in den Sommermonaten die Insekten an. Denn die Vielfalt der Insekten ist im Umfeld dank intakter Natur gegeben. Es begeistert uns, wie viele Schmetterlinge uns an diesem Tag begegnen. Und als Höhepunkt können wir sogar eine Holzbiene bei ihrer Nestsuche beobachten. Es ist schön, zu sehen, wie Natur und Landwirtschaft hier Hand in Hand gehen. Gemeinsam stark wäre hier ein geeigneter Werbeslogan 🙂

Pflanzenvielfalt lebendig erhalten

Unser Begleiter klärte uns auch darüber auf, dass eines der Ziele ist, die Samen für die Gemüsepflanzen selber zu gewinnen. Die Pflanzen passen sich mit ihren Eigenschaften Jahr für Jahr besser an den Ort an. Bei den Dutzenden von Tomatenarten klappt das hervorragend. Und wir sehen auch von Mangold, Kohl, Petersilie und vielen Pflanzen mehr blühende Exemplare zur Samengewinnung in den Gartenbeeten. Unser Begleiter schwärmt, dass man für die Samen von 100 Kohlsetzlingen lediglich eine Pflanze stehen lassen muss:da Geld knapp ist, ist dies eine gute Investition. Auch Besucher, welche ihre Lieblingstomate vermehren wollen, müssen nur eine Tomate erstehen, da alles Gemüse sortenecht ist. Damit der Besuchende auch weiss, wie seine Lieblingstomate heisst, ist in den Treibhäusern alles sorgfältig angeschrieben. Nur wenige Samen müssen im Garten dazugekauft werden.

Blick hinter die Kulissen

Da die Gemeinschaft ohne Auszahlung eines Salärs lebt, sind die Bewohner voll auf das Funktionieren des Gartens angewiesen. Das Land und die Gebäude sind in diesem Teil Frankreichs für sehr wenig Geld zu erstehen und das ist auch ein wichtiger Punkt: als Landwirt hat man es sehr schwer ein Darlehen von einer Bank zu erhalten. Zum Glück ist die Gemeinschaft im Besitz des Landes und mit dem Verkauf von Produkten scheint das Einkommen mit den Ausgaben in Einklang zu stehen. Unser Begleiter, der in der Region aufgewachsen ist, erzählt uns, dass alle seine Kolleginnen und Kollegen das Leben auf dem Land gegen eine Leben in der Stadt mit einem besseren Einkommen eingetauscht haben. Er aber sei glücklich in der Region geblieben zu sein, denn die Natur gibt ihm alles was er benötigt. Als Abschlusstipp hat er uns empfohlen, den Garten noch in aller Ruhe zu geniessen. Einfach sich hinsetzen und den Vögeln zu lauschen. Wir sind seiner Empfehlung nachgekommen und haben den wunderschönen Himmel über dem Jardin Alôsnys bestaunt.

Fazit

  • Was auch immer Permakultur in der Theorie ist: es war schön einen so authentischen, offenen Ort besuchen zu dürfen.
  • Die Regeln, welche man beim naturnahen Gärtnern verfolgt, trifft man auch im Permakulturgarten an.
  • Das Motto: möglichst wenig Eingriffe, also quasi, möglichst effizient zu gärtnern, gefällt mir sehr gut. Vom Anpflanzen möglichst robuster Stauden, bis zum Aufkeimen lassen von Pflanzen, wo sie sich wohlfühlen, war im Permakulturgarten alles zu finden. Besonders begeistert hat uns dabei der enorm sparsame Umgang mit Wasser: durch die Belebung des Bodens hat dieser eine grosse Speicherfähigkeit von Wasser. Einfach genial, den Garten maximal nur alle zwei Wochen zu wässern!
  • Das Einbinden von Tieren in die Kreisläufe macht den Permakulturbetrieb extrem lebendig und unterhaltsam.
  • Das Kommunizieren und öffnen des Betriebes für alle Interessierten ist ein zentrales Ziel. Die Vermittlung von Wissen und Freude ist sehr spürbar: vom grossen Mitmachangebot bis über die liebevoll gestalteten Hinweise, einem Quiz und farbigen Tiertafeln im ganzen Gelände, Einfach toll!
  • Von öffentlichen Toiletten (Behindertengerecht) bis zum Picknickplatz fühlt man sich als Besucher einfach nur willkommen.
  • Dieser Ort ist einen Besuch wirklich wert!
  • Einzig der Anfahrtsweg ist wohl ohne Navigationsgerät sehr schwer zu finden.

Adresse:
7 route de Vergoncey, 71400 CURGY, Frankreich

Öffnungszeiten (ohne Gewähr):
Mittwoch, Samstag, Sonntag; 10 bis 18 Uhr

Mailadresse:
alosnys@gmail.com

Webseite

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.