Eierfärben mit Naturfarben

Ich habe einige Versuche zum Eierfärben mit unterschiedlichen Rohstoffen durchgeführt. Da ich an einer Veranstaltung mit Familien Eierfärben anbieten möchte, hatte ich folgende Kriterien:

  • Die Eier müssen schnell (innerhalb von 15 Minuten) die Farbe annehmen.
  • Ich möchte Rosa und Violette als Farbton haben.
  • Der Farbsud zum Färben muss kalt angewendet werden können, da ich die Eier mit Wachsmuster verziere.

Da wir bereits ausgeblasene Eier einfärben, musste ich nicht auf essbare Farben achten, aber die verwendeten Rohstoffe auf Grundlage von Gemüse und Kräutern sind trotzdem unproblematisch.

Muster mit Wachs applizieren

Mit einer einfachen Wachstechnik, lassen sich schnell schöne Färbeeffekte erzeugen. Man bemalt die Eier mit Wachsmustern und die so bedeckten Flächen nehmen beim Färben keine Farbe an. Nach dem Färben kann man das Wachs entfernen (und das Ei erneut bemalen und färben) oder man belässt das Wachs als Reliefmuster auf dem Ei. Damit es einfach geht, habe ich eine kleine Station gebastelt: ein Haselstöckchen mit Steckkopfnadel fungiert als Zeichenhilfe. Ein gebogener Löffel mit einer Bienenwachs-Kerzenwachsmischung liefert über einer brennenden Kerze montiert das flüssige Wachs zum Bemalen. Ich habe gemerkt, dass das beste Ergebnis mit einer Mischung aus Kerzenwachs (Stearin oder Paraffin) mit Bienenwachs erreicht wird. Bienenwachs alleine klumpt und lässt sich nicht geschmeidig aufbringen. Stearin alleine zerfliesst zu stark.
Die Muster lassen sich ganz einfach aufzeichnen und es entsteht schnell ein schönes Ergebnis. Punkte, kurze Striche und sich wiederholende Müsterchen sind sehr effektvoll. Doch auch Buchstaben lassen sich gut aufbringen.
Nach dem Färben kann man das Wachs entweder auf dem Ei belassen, oder wegschmelzen. Dies gelingt am einfachsten auf einem Küchenpapier gebettet im Ofen oder der Mikrowelle. Achtung, gewisse Farben verändern sich bei Hitze: darum lieber nur kurz und mit geringer Hitze. Mit dem Papier den geschmolzenen Wachs abreiben und es entsteht dabei ein schöner Glanz.

Färben mit Gemüse und Kräutern

Gemüsefarbe
Ich habe Versuche mit Rotkohl, Rande und Brennessel (grüner Farbton) gemacht. Ein sehr schönes Ergebnis habe ich mit Rotkohl erzielt und auch mit Rande war ein Ergebnis sichtbar. Brennessel hat ebenfalls auch nach 15 Minuten schon sichtbar gefärbt, aber der Farbton war sehr verwaschen moosgrün.

Rotkohl
Ich habe einen Kopf Rotkohl an der Raffel fein gerieben und anschliessend mit einem Liter Wasser sanft erwärmt und eine Stunde durchziehen lassen. Nach dem abkühlen habe ich Färbeversuche von 15 Minuten durchgeführt und war sehr zufrieden. Besser nimmt die Farbe an, wenn man Essig an den Sud gibt. Für einen Liter habe ich 5 Esslöffel normalen Apfelessig beigegeben. Der Essig löst auch das Kalk der Eierschale an und so wird die Oberfläche zum Färben zugänglicher. Ein Ei habe ich 8 Stunden eingelegt und es hatte danach eine wunderschöne blaue Farbe – leider hat Sascha das Ei fallen gelassen, aber ich habe ein Stück der Schale fotografiert 🙂

Rande
Hier habe ich reinen Randensaft gekauft und diesen auch mit Essig versetzt zum Färben verwendet. Der Rosaton ist nach 15 Minuten sichtbar, aber sehr fein. Auch nach einer Stunde ist der Farbton noch nicht viel stärker, tendiert dann eher ins leicht bräunliche Rosa.

Brennessel
Hier habe ich einen Sud aus 50 g getrockneten Brennesselbestandteilen und einem Liter Wasser angesetzt. Ich habe die Mischung wieder erwärmt und für 20 Minuten ziehen lassen. Dasjenige Ei dass eine Stunde im abgekühlten Sud färben durfte, hatte eine viel dunklere Farbe. Die Färbung war etwas ungleichmässig.

Für alle drei Farben gilt: sie sind nicht lichtecht und halten deshalb nur über eine begrenzte Zeit. Für die nächsten Ostern müssen also neue Eier her 🙂

Färben mit Cochenille und Blauholz

Von eine Kollegin, welche in der Tuchfärberei sehr bewandert ist, habe ich zwei Färberrohstoffe zur Verfügung gestellt bekommen: Cochenille und Blauholz. Im Gegensatz zum Gemüse sind diese Farben auch lichtecht und färben sehr intensiv. Cochenille wird in Lebensmitteln zum Einfärben verwendet und ist somit lebensmitteltauglich. Beim Blauholz habe ich keine Informationen erhalten – da ich ausgeblasene Eier einfärbte, spielt es für mich keine Rolle. Der Shop, den ich unten angebe, hat das Blauholz für das Eierfärben im Sortiment, gibt aber auch keine Angaben zur lebensmitteltauglichkeit ab.

Cochenille ist eine Schildlausart, welche ursprünglich aus Mexiko stammt. Die weiblichen Tiere werden getrocknet als Sud angesetzt. Cochenille verdrängte nach der Eroberung von Mexiko bereits 1800 als Färberohstoff die Kermesschildlaus, welche auf der Kermeseiche in Südfrankreich, Spanien und auf den griechischen Inseln vorkommt. Zuvor war die Purpurschnecke die unbeschreiblich kostbare Variante, Stoffe rot zu färben. Da es tausende Schnecken für ein paar Gramm Färbersubstanz benötigt, waren rote Stoffe im Mittelalter nur den Königen und Kardinälen vorbehalten.

Das Blauholz stammt vom Blutholzbaum, einer der wichtigsten Holzfärberpflanzen. Die Planze ist in Zentralamerika, so wie im nördlichen Teil Südamerikas heimisch. Zum Färben von Wolle, Baumwolle, Seide oder Leinen wird das Holz des Baumes in fermentiertem, geraspeltem Zustand verwendet. Auch ich verwende für den Farbsud, das geraspelte Holz des Baumes.

Für den ersten Färbeversuch habe ich jeweils mit 200 ml Wasser 2,5 Gramm des Färberrohstoffes leicht erwärmt (80° C) und für eine halbe Stunde ziehen lassen. Mit dem abgekühlten Sud habe ich die Eier wieder 15 Minuten gefärbt: die Ergebnisse sind sehr zufriedenstellend geworden. Mit Essig liessen sich keine Farbverbesserungen erreichen, im Gegenteil: Der Blauholzsud verfärbt sich effektvoll gelb, aber das Ergebnis ist lediglich ein weniger buntes Braunviolette.

Ein Ei habe ich doppelt gefärbt und auch zwei mal mit Wachsmustern verziert: so lassen sich recht schnell sehr tolle Effekte erzielen. Hier wäre es natürlich auch effektvoller zwei unterschiedlichere Farbtöne zu verwenden. Eine wirklich schnelle und sehr unterhaltsame Art Eier zu färben.

Fazit

Das Färben mit den Rohstoffen aus der Tuchfärberei ist deutlich unkomplizierter und effektiver als das Färben mit zum Beispiel selbst hergestelltem Rotkohlsud. Aber das Blau des Rotkohlsudes ist einfach unbeschreiblich schön und kann auch für gekochte Eier, die noch verzehrt werden, eine wunderbare Variante sein.

Da ich die Färberrohstoffe geschenkt bekommen habe, konnte ich keine Bezugsquelle testen.
Im Internet habe ich diesen Shop gefunden, der wohl die Rohstoffe fürs Eierfärben anbietet. Ich kann nichts über die Qualität und Lieferbedingungen berichten.

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