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Aztekenbeet – Idee & Vorbereitung

Aztekenbeet - Idee & Vorbereitung

Dank meiner Freundin Monique Burnand bin ich auf das Thema „Aztekenbeet“ gestossen. In einem ersten Beitrag geht es mir darum zu zeigen, was ein Aztekenbeet ausmacht und wie Monique das Projekt in ihrem Garten anpackt.

Inspiration aus den Ferien
Wie kam Monique überhaupt auf die Idee ein solches Beet anzulegen? Auf der Insel Dominica in der östlichen Karibik hat Monique diese Form des Gemüseanbaus miterlebt, denn dort wird die ursprüngliche Form dieser Anbaumethode noch gepflegt. Nach einer Brandrodung, in welcher zur Steigerung der Fruchtbarkeit des Bodens, möglichst viel Pflanzenmaterial verbrannt wird, werden zur Nahrungsmittelgewinnung in einer Mischkultur Mais, Kürbis und Feuerbohne angepflanzt. Nach einigen Anbaujahren folgt meist zur Erholung des Bodens eine Ruhephase.

Die Mischkultur der drei Pflanzenarten ist sehr effektiv, denn sie begünstigen sich gegenseitig durch ihre Eigenschaften. Diese positive Begünstigung kann man sich auch im Garten zu Nutze machen. Dabei kann man auf die Brandrodung zum Glück verzichten, denn dank nährstoffreicher Erde – zum Beispiel durch Beigabe von Kompost und Hornspänen – erhalten wir für die Pflanzen eine gute Wuchsgrundlage. In den Ursprungsländern, der Karibik und Mittelamerika, profitieren Kürbis, Mais und Feuerbohne vom milden, sonnenstarken Klima. Durch Anzucht der Maispflanzen auf der Fensterbank und der Auswahl eines sonnenexponierten Beetes, lässt sich jedoch auch dieser Unterschied ausbügeln. Das erhofft sich auf jeden Fall Monique in ihrem Experimentierfeld „Aztekenbeet“ im Jahr 2016, das ich gespannt verfolgen werde.

Einige Gedanken zur Vorbereitung
Monique hat sich entschieden das Aztekenbeet in Form eines Hochbeetes anzulegen. Da das Hochbeet in Treppenform vorliegt, nutzt es die Sonne zur Erwärmung besonders optimal aus. Und das ist sehr wichtig, denn Mais, Kürbis und Feuerbohne benötigen viel Sonnenlicht, um gut gedeihen zu können. Das Substrat kann Monique im Hochbeet optimal für die Bewohner zusammenstellen und dies bedeutet in unserem Fall folgendes: Das Aztekenbeet muss zwei Starkzehrer, nämlich den Kürbis und den Mais, mit vielen Nährstoffen versorgen. Somit brauchen wir lockere, nährstoffreiche Erde. Die Feuerbohne (Phaseolus coccineus L.) zählt zu den Mittelzehrern und kommt dank geringerem Nährstoffbedarf neben den anspruchsvollen Nachbarn gut zurecht. Wer wie Monique eine neues Hochbeet anlegt, beginnt am besten sehr früh mit dem Sammeln von Strauchschnitt und sonstigem Füllmaterial – auch in eine kleines Hochbeet passt sehr viel Material hinein.

Die drei Schwestern
Die drei Schwestern ist eine andere Bezeichnung des Aztekenbeetes. Dieser Name weist auf das optimale Zusammenspiel der drei Pflanzenarten hin: Der Mais dient der Feuerbohne in erster Linie als Rankgerüst. Mit den stark ausgebildeten Wurzeln soll der Mais zudem zur Lockerung des Bodens beitragen, was vor allem bei der mehrjährigen Kultur eines Beetes zum Tragen kommt. Die Bohne wiederum stabilisiert beim Umranken die Maispflanzen und als Leguminose bindet sie an ihren Wurzeln mit Hilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff, welchen die beiden Starkzehrer Mais und Kürbis gut gebrauchen können. Der Kürbis als dritte Mitspielerin beschattet den Boden und sorgt dafür, dass die Erde nicht brach liegt. Diese Art der Mischkultur bringt somit allen Beteiligten Vorteile. So viel zur Theorie: ich bin mächtig gespannt, was für Ergebnisse das erste Erntejahr bei Monique bringen wird.

Timing beim Pflanzen
Was beim Anlegen des Beetes beachtet werden muss, ist, dass die drei Pflanzengruppen im richtigen Rhythmus gepflanzt werden. Monique hat den Mais im April auf der Fensterbank angesät und bringt ihn nun in der zweiten Maiwoche in das Beet ein. Den Kürbis hat Monique als Jungpflanze in einer Gärtnerei bezogen und pflanzt ihn zusammen mit dem Mais. Die Feuerbohne kommt bei stabiler Wetterlage direkt als Bohne ins Beet. Würde man die Bohne zu früh, oder vorgezogen einpflanzen, könnte sie den Mais überwuchern und somit den harmonischen Wuchs der drei Schwestern negativ beeinträchtigen.

Aztekenbeet zusammengefasst

Ursprung
Das Aztekenbeet ist eine Anbauform, welche in Mittelamerika seit jahrhunderten betrieben wurde und teilweise noch betrieben wird. Kennzeichnend ist, dass der Boden durch eine Brandrodung (Anreichern durch Mineralstoffe) vorbereitet wird und anschliessend der Anbau der drei Pflanzen Mais, Kürbis und Feuerbohne erfolgt. Nach einer intensiven Nutzung erfolgt eine Zeit der Brache.

Substrat
Im Garten können wir dank der Wahl von fruchtbarer z.B. durch Kompost gedüngte Erde, auf die Brandrodung verzichten 🙂

Pflanzenwahl
Bei der Mischkultur ist auch im Garten das erfolgreiche Zusammenspielen der drei Pflanzenarten Mais, Kürbis, Feuer- oder Stangenbohne vorhanden. Bei der Wahl der jeweiligen Sorte ist man frei zu experimentieren.

Standort
Es sollte ein vollsonniger Ort gewählt werden.

Huflattich

Huflattich

Wissenschaftlicher Name: Tussilago farfara L.

Bei Wanderferien im Schwarzwald mit winterlichem Aprilwetter begegneten mir neben den letzten Schneeflecken gelbe, sonnenwarme Blütenköpfe: der Huflattich wird seiner Rolle als erstem Frühlingsboten absolut gerecht. Beflügelt von den sonnenwarmen Blütengrüssen wollte ich mehr über die optisch fröhliche Pflanze erfahren. Nach ersten Recherchen tauche ich voller Spannung in die faszinierende, ethnobotanische Geschichte dieser Pflanze ein.

Wie erkenne ich den Huflattich?
Im Frühjahr – zum Teil bereits ab Februar bis April – schiebt der Huflattich seine gelben Blütenköpfe an 10 cm später bis zu 30 cm langen, beschuppten Stängeln aus dem Boden. Die Laubblätter folgen erst nach dem Blühstadium der Pflanze. Der Hufeisenform der Laubblätter verdankt die Pflanze auch ihren Namen. Den grossen Blättern entstammt die Bezeichnung Lattich, was vom lateinischen lapaticum herrührt und grossblättrige Pflanzen beschreibt.  Die gestielten Blätter sind durch ihre weissfilzige Unterseite zu erkennen. Zur Sommerzeit ist die krautige Pflanze mit der Weissen Pestwurz, die viel grössere Blätter trägt, zu verwechseln.

Die Pflanze verteilt ihre Samen nach der Bestäubung durch Bienen, Käfer und Schwebfliegen mit Hilfe von Schirmchen, ähnlich dem Löwenzahn. Ebenso bilden sich aus dem Wurzelstock  Wurzelausläufer aus, welche bis zu 2 Meter länge erreichen können.

Wo wächst der Huflattich?
Der Huflattich ist nicht nur bezüglich der Jahreszeiten eine Pionierpflanze, sondern zeigt sich auch bei der Neubesiedlung von Flächen als forscher Geselle:  Ödland, Baustellen, lichte Waldränder, Ufer, Steinbrüche – der Huflattich kommt mit unterschiedlichen Untergründen zurecht. Am liebsten ist dem Huflattich, wie unser Beispiel im Schwarzwald zeigt, feuchter, humusarmer Boden.  Die Pflanze ist sowohl in Europa, Afrika und Asien verbreitet und als invasive Pflanze auch in Nordamerika zu finden.

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Kulturelle Einbindung: der Huflattich als medizinischer Begleiter
Bei Dioskurides (Pedanios Dioskurides, 1 Jh n.Chr.) treffen wir den Huflattich in der Materia Medica noch unter dem griechischen Namen bechion an. Schon dieser Name weist (griechisch bex: Husten) auf die Heilwirkung bei Erkältungskrankheiten hin. Mit dem lateinischen Namen tussilago farfara trägt Dioskurides dazu bei, dass der Pflanze diese Tradition nicht abhanden kommt. Tussilago von tussis (lat.:Husten) und agere (lat.: vertreiben) beschreibt die hustenstillende Wirkung. farfara wird in einigen Quellen als Hinweis auf die filzige Blattunterseite farina (lat.: Mehl) und ferre (lat.: tragen) interpretiert, zum Teil jedoch auch auf  far (lat.: Getreide) und fugio (lat.: in die Flucht schlagen) bezogen, was sich auf Getreidescheuche bezieht. Wie auch immer: der Huflattich wurde als Heilpflanze bei Husten und weiteren Gebrechen empfohlen. Dazu der Quelltext von Dioskurides rechts.

Die in der Antike typische Behandlungsmethode des Räucherns der Heilpflanze wird hier beim Huflattich von Dioskurides bei trockenem Husten und Luftnot empfohlen. Dies stelle ich mir ehrlich gesagt nicht sehr erleichternd vor. 🙂

Das Bechion [Einige nennen es Richion, Andere Petrine, Peganon, Pithion, Pagonaton, Chamaileuke, Procheton, Arkophyton, Chamaigeiron, die Aegypter Saartha, die amer Tusilago, Pharpharia, Pustulago, die Bessier Asa] hat epheuähnliche Blätter, aber grösser, sechs bis sieben, an der Oberseite sind sie grün, auf der Unterseite weiss und haben mehrere Ecken, der Stengel ist eine Spanne hoch. Es entwickelt im Frühjahr eine gelbe Blüthe, wirft Blüthe und Stengel aber bald ab, weshalb Einige glaubten, die Pflanze habe weder Stengel noch Blüthe. Die Wurzel ist zart. Es wächst an Buchen und feuchten Stellen. Seine Blätter mit Honig fein zerrieben als Umschlag heilen roseartige und alle anderen Entzündungen. Trocken aber zur Räucherung augezündet hilft es denen, die von trockenem Husten und Orthopnöe belästigt worden, wenn sie den Dampf mit geöffnetem Munde aufnehmen und herunterschlucken. Es öffnet aber auch die Absecesse in der Brust. Dasselbe leistet auch die Wurzel in der Räucherung. Sie treibt in Honigwasser gekocht und getrunken den todten Embryo aus.

Pedanios Dioskurides
Materia Medica (Buch III, 116/126)
deutsche Übersetzung  Julius Berendes, 1902

Bei Gaius Plinius Secundus Maior, auch Plinius der Ältere (* 23 oder 24 n. Chr.; † 25. August 79) treffen wir den Huflattich im enzyklopädischen Werk Naturae historiarum in folgendem Kapitel 30 des Buch 26 an (siehe Quelltext rechts).

Spannend finde ich den treffenden Hinweis, dass der Huflattich als Zeigerpflanze für Staunässe fungieren kann. Aber bei der Pflanzenbeschreibung scheint Plinius sich auf falsche Angaben zu beziehen oder eine falsche Beobachtungszeit gewählt zu haben: natürlich hat der Huflattich wunderschöne Blüten und sowohl diese, wie auch die Blätter sitzen auf Stängeln.

Der Huflattich wird auch „Hustenkraut“ (tussilago) genannt. Es gibt von ihm zwei Arten. Wo der wilde wächst, vermutet man darunter Wasservorkommen und für die Brunnensucher ist dies ein Merkmal. Die Blätter sind etwas grösser als beim Efeu, fünf oder sieben <an der Zahl>, der Erde zu weisslich, nach oben blass; er hat keinen Stengel, keine Blüte, keinen Samen und eine dünne Wurzel. Einige glauben, das àrkeion sei diesselbe Pflanze, die man auch mit einem anderen Namen „Zwergpappel“ [chamaileùke] nennt. Der Rauch der mit ihrer Wurzel getrockneten Pflanze soll, mittels eines Rohres eingeatmet und geschluckt, alten Husten heilen; man muss aber bei jedem Atemzug Rosinenwein nehmen.

Gaius Plinius Secundus Maior, auch Plinius der Ältere
Naturae historiarum Buch 26, Kapitel 30

deutsche Übersetzung

Im Mittelalter ehrt auch Hildegard von Bingen (* 1098; † 17. September 1179) und beispielsweise Paracelsus (Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim, * vermutlich 1493; † 24. September 1541) die Heilkraft des Huflattichs in der Tradition der antiken Gelehrten wie Dioskurides, Plinius oder Galenos von Pergamon. Gerne möchte ich als Bindeglied zur heutigen Zeit die Zeilen von Sebastian Anton Kneipp (* 17. Mai 1821; † 17. Juni 1897) anfügen (siehe Quelltext rechts)

Sebastian Kneipp zeigt die Vielfältigkeit der Wirksamkeit des Huflattichs auf. Der Huflattich enthält auch auf wissenschaftlich nachgewiesener Ebene eine Vielzahl an wirksamen Inhaltsstoffen: Schleimstoffe (Polysaccharide), Gerbstoffe, Phenolcarbonsäure (Chlorogensäure), Pyrrolizidin-Alkaloide (Senkirin, Senecionin, Tussilagin). Mit der genauen wissenschaftlichen Untersuchung des Huflattichs endete jedoch nach über 2000 Jahren auch der Erfolgskurs des Huflattichs im Einsatz gegen Erkältungskrankheiten der Atemwege. Die Komission E (https://de.wikipedia.org/wiki/Kommission_E) bestätigte zwar die Wirksamkeit der Huflattichblätter bei „akuten Katarrhen der Luftwege mit Husten und Heiserkeit“ sowie „akuten, leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut“. Jedoch besteht für die teilweise giftig wirkenden Pyrrolizidin-Alkaloide eine Nulltoleranzempfehlung. Beim Aubbau der Pyrrolizidin-Alkaloide im Körper kann es zu Leberschäden kommen und sie können potenziell kanzerogen wirken. Somit stehen andere schleimstoffhaltige, pflanzliche Arzneimittel als Alternative nahe: Spitzwegerich, Eibisch, Lindenblüten oder Malve beispielsweise. Jedoch gibt es laut Quellen im Handel auch Huflattichpflanzen angeboten, welchen durch gezielte Zucht die Pyrrolizidin-Alkaloide fehlen. Also doch noch ein Hoffnungsschimmer für den altbewerten Hustenstiller?

Hufflatich (Tussilago farfara L.)
Der Schöpfer hat manches Kraut und manche Pflanze wachsen lassen, die man wenig achtet oder gar verachtet, so dass man eine Freude hat, einer solchen Pflanze einen Fusstritt geben zu können. Dieses Schicksal trifft auch den Huflattich, weil er gewöhnlich als das reinste Unkraut gilt. Wer aber diese Pflanze kennt, wird sie hochschätzen und als vorzügliches Hausmittel behandeln.
Zum Reinigen der Brust und zum Säubern der Lungen ist es sehr ratsam, Lattichtee zu trinken. Engbrüstigkeit und Husten kann recht leicht durch diese eine Pflanze behoben werden, besonders wenn eine Anlage zur Schwindsucht vorhanden ist. Diese Blätter können, auf ein Tuch geheftet oder auch ohne dasselbe, auf die Brust gelegt werden. Sie ziehen die Hitze aus, hemmen Schwächen oder entfernen die Fieber. Vorzüglich wirken diese Blätter auf offene Geschwüre gelegt; sie nehmen die Hitzem den Zuschlag (Röte) und ziehen die schädlichen Stoffe nach aussen.
Ganz besonders wirksam zeigen sich die Blätter bei offenen Füssen, wenn die Stellen blau und schwarz, stark entzündet sind; sie nehmen die Hitze und den Schmerz, und wiederholt aufgelegt sind sie ein ausgezeichnetes Heilmittel. Also [ebenso] bei hitzigen Geschwüren, bei Rotlauf, Gesichtsrose und ähnlichen Zuständen haben wir im Huflattich ein vorzügliches Mittel. Diese Huflattichblätter können auch im Schatten getrocknet, zu Pulver gerieben und als solches eingemonne werden; täglich zwei- bis dreimal jedesmal ein bis zwei Messerspitzen voll; dieses Pulver kann sogar in der Kost eingenommen werden.

Sebstian Kneipp aus Pfarrer Kneipps Haus-Apotheke

Verwendet werden als Tee aufgegossen die getrockneten Blätter und Blüten:
Laut Empfehlungen beträgt die Tagesdosis 4,5 bis 6 g der Droge. Die Dauer der Anwendung darf nicht länger als 4 bis 6 Wochen pro Jahr betragen. Während der Schwangerschaft und Stillzeit muss vollständig darauf verzichtet werden.